Creative Commons, Copyright & Zarathustra

14 05 2009

creative_commonsWer sich zur Zeit in irgendeiner Weise mit Copyright beschäftigt, wird um den Namen Lawrence Lessig kaum herum kommen. Die Tage hatte ich hier schon kurz über ihn berichtet, weil sein aktuelles Buch zum kostenlosen Download als PDF unter Creative Commons erhältlich ist.

Aus aktuellem Anlass, nämlich dem, dass Lessig gerade auf Vortragstour in Deutschland unterwegs ist und im Rahmen dessen morgen in Berlin vorsprechen wird, möchte ich hier noch ein paar mehr Verweise los werden.

Lawrence Lessig ist Jura-Professor an der Stanford Law School (Stanford University). Einen Namen als Verfassungsrechtler machte er sich durch die rege Beteiligung an Urheberrechts-Prozessen. Er Gründete das Center for Internet and Society und die Creative-Commons-Initiative.

Creative-Commons sind standardisierte Linzenzen, die der Öffentlichkeit bestimmte Arten von Nutzungsrecht einräumen.

88x31Diese Rechte sind verkürzt mit Symbolen gekennzeichnet, die z.B. festschreiben, ob der Name des Urhebers genannt werden muss oder ob ein kommerzieller Vertrieb untersagt ist, etc. Genauere Erläuterungen dazu gibt es auf der Website der Creative-Commons.

Lessig zeigt in seinen Vorträgen und Schriften neue Wege auf mit Copyright umzugehen und dieses an die fortgeschrittene Gesellschaft anzupassen, wärend Hardliner weiterhin zwanghaft versuchen an staubigen Konzepten festzuhalten und ganze Generation zu kriminalisieren.

Die meisten, die das hier lesen werden das vermutlich schon wissen, zumal das wirklich absolute Copyright Basics sind. Mich interessieren allerdings eher die Leute, die das noch nicht wissen. An Rückmeldungen und meinen Statistiken kann ich gut beobachten, dass die Posts über kostenlose Downloads wesentlich mehr Anklang finden, als solche über aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehnisse im Bereich Internet und Copyright, was natürlich erst mal nicht sonderlich überrascht. Ich finde es aber wichtig zu verstehen, dass diese Dinge Hand in Hand gehen und dass es einen Haufen Leute gibt, vor allem in der Politk, in Lobbies und Konzernen, denen das überhaupt nicht passt und die massiv davon profitieren, wenn möglichst viele Leute nicht verstehen was vor sich geht. Das ist auch der Grund dafür, warum man das Gesetz bzgl. Internetsperren mit dem Zugpferd Kinderpornografie durchbringen will und warum man Vorratsdatenspeicherung mit Terrorbekämpfung rechtfertigt.

NighthawksEin Großteil kultureller Vorgänge hängt mit Reproduktion und Variation zusammen. Es ist kaum möglich etwas zu entwerfen, dass nicht auf etwas anderem aufbaut, an etwas anderes erinnert oder es rezitiert. Das ist ja auch nicht weiter schlimm oder stagnativ, ganz im Gegenteil, ganze Szenen bauen darauf auf, so wie das HipHop Genre oder die StreetArt Bewegung. Viele Künstler wurden aus diesen Gründen gefeiert, siehe Helnweins Variation von Hoppers Nighthawks, oder Also sprach Zarathustra von Deodato, ja selbst Strauss‘ Vertonung wurzelte in Nietzsches Erzählung, der sich wiederum selbstverständlich auf Zarathustra berief, der mindestens 600-1800 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Heute noch wird die Thematik, ob musikalisch, schriftlich oder visuell wieder aufgegriffen (siehe Kubrick). Selbst für seinen Faust, auf den man in Deutschland ja bekanntlich nichts kommen lässt, hat sich Goethe bei alten Geschichten bedient, die zuvor schon mehrmals behandelt wurden, das ist vielleicht der erfolgreichste Remix-Export den dieses Land zu bieten hat. „Remixen“ ist in diesem Sinne so alt, wie die Kultur selbst. Warum sollte man es also zulassen, dass die unkreativsten Menschen der Welt, den wirklich kreativen das Arbeiten erschweren und verbieten? Die Kultur wird lediglich ihrer Vielfalt beraubt und suhlt sich dann auf MTV in billigen Imitationen und legaler Selbstherrlichkeit. Diese „Kultur“ macht nichts anderes mehr als den ursprünglichen Ideen ihr Blut auszusaugen und daraus inhaltslose, erbärmliche Schatten dieser zu erstellen, anstatt sie wirklich zu erneuern.

grey_album2004 erschien mit Danger Mouses Grey Album das wohl erfolgreichste Bastard-Pop Album aller Zeiten, aber nie hat auch nur eine Person irgendwelches Geld dafür gesehen. Die Vermarktung wurde nie ermöglicht, die Verbreitung versuchte man zu stoppen (blame EMI). Das ist reinster Wahnwitz, hier wird großartiges Schaffen wegen billiger Missgunst zerstört und ja dafür darf man sich schämen, denn das ist ganz großer Kindergarten.

Ich muss allerdings ein wenig meinen Blutdruck schonen und deswegen komme ich noch kurz zu ein paar positiven Aspekten und Verweisen.

Ganz großartig finde ich z.B. die wirklich innovative Arbeit von Lawrence Lessig, der viel dafür tut, dass man einen Weg aus diesem stagnativen System findet. Wer also auch immer Zeit dafür aufbringen kann, dem empfehle ich dem morgigen Vortrag (Copyright Wars) in Berlin beizuwohnen. Für wen das zu weit entfernt sein sollte, für den habe ich natürlich noch einiges an Material.

Ganze 4 Bücher von Lessig laufen mittlerweile unter Creative-Commons und sind daher zum kostenlosen Download freigegeben:

Weitere Informationen gibt es auf Lessigs Website.

Im Internet Archive lassen sich sehr viele Beiträge zum Thema finden, ebenfalls unter CC released. Hier erst einmal zwei kostenlose Dokumentationen zum Thema:

Im allgemeinen fällt es zur Zeit nicht allzu schwer zu der Thematik auf dem laufenden zu bleiben, bzw. sich detailliert zu informieren, allerdings würde ich hierzu nicht die gängigen großen Runfunkanstalten empfehlen.

Netzpolitik bietet z.B. einen recht hochfrequentierten und deutlichen Überblick über die aktuellen Geschehnisse in diesem Themenbereich. Es gibt etliche Blogs, die ihre Leser mit wichtigen Neuigkeiten auf dem laufenden halten, so wie Nerdcore oder das Phlow-Magazine. In Köln findet im Juni die Cologne Commons statt, bei der sich alles um Creative Commons und Copyright drehen wird. Es gibt haufenweise gute Berichte und Dokumentationen zum Thema, wie RiP: A Remix Manifesto oder Good Copy Bad Copy.

Hauptsache ihr lasst euch nicht verschaukeln.


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2 06 2009
Der Mai im Rückblick «

[…] Dauerbrenner ist, diesen Monat aber wieder zu neuen Ehren gekommen ist, ist die Diskussion über Copyright und Copyleft. Mein Highlight der Sparte war die Open Source Dokumentation: R.i.P.: A Remix Manifesto. Ausserdem […]

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