Töten Downloads wirklich die Musik Industrie? Oder war es doch wieder der Gärtner?

12 06 2009

Im Technology Blog des Guardian steht ein interessanter Artikel, der die Verluste der Musikindustrie auf die Umverteilung der Konsumentenausgaben hin zur Spieleindustrie zurück führt.

„Why does the music industry persist in saying that every download is a lost sale? If you even think about it, it can’t be true. People – even downloaders – only have a finite amount of money. In times gone by, sure, they would have been buying vinyl albums. But if you stopped them downloading, would they troop out to the shops and buy those songs?[…]

If we assume that there’s roughly the same amount of discretionary spending available […], then it’s clear who the culprit is: the games industry. By 2009, the amount spent in games and music is almost exactly the same as 1999″

Quelle: Guardian.co.uk

raubkopiererObwohl ich immer noch denke, dass der größte Feind der Musikindustrie die Musikindustrie selbst ist. Neben der stetig zunehmenden Schnelllebigkeit der Märkte, versucht man verbissen an alten Marketingmethoden festzuhalten und in hoher Frequenz den Kunden mit immer gleichen Plastikprodukten, welche die Lücken in dessen Lifestyle Obsession füllen sollen, zu bombadieren. Selbstverständlich auf Kosten der Qualität. Nahezu eine ganze Generation wird kriminalisiert, es wird sich quer gestellt gegen neue Modelle, gegen die Überholung des Urheberrechts, gegen faire Preispolitik gegenüber Kunde und Künstler und in den Lobbies wird stets an der großen Hexenjagd gegen die vermeintliche „Download Szene“ geschmiedet. Und da wundert sich noch jemand, dass die keinen exzessiven Zulauf mehr bekommen? Würde es nicht so viele uninformierte Konsumenten geben, hätten zumindest die Major Labels jetzt schon die Decke auf dem Kopf.

Kein unerheblicher Faktor in dieser Debatte wird das psychologische Prinzip der Reaktanz sein (Widerstandsreaktion auf Freiheitsentzug bzw. Freiheitseinengung). Hier wird starker psychischer Druck seitens Medien, Industrie und Politik auf einen Haufen Leute ausgeübt, nämlich potentielle Kunden und Wähler, indem man deren tägliche Handlungsabläufe reglementiert, kriminalisiert und verteufelt. Die entsprechende Reaktion ist die Rückgewinnung eben dieser Freiheiten durch vehementes beibehalten des Verhaltens. Es kann sogar bedeuten, dass Leute gerade wegen der Restriktionen anfangen dieses Verhalten an den Tag zu legen, vor allem dann, wenn der Druck von Leuten ausgeht, deren Alltagsrealität nichts mit diesen Dingen zu tun hat. Nicht nur das, oft wird ja sogar eine regelrechte Ignoranz und Feindlichkeit an den Tag gelegt, die leider meist in reiner Unwissenheit und der Unlust sich damit auseinander zu setzen wurzelt. Reaktantes Verhalten bedeutet auch oft eine Aufwertung des eliminierten Verhaltens, was im Umkehrschluss, bei einer Entschärfung der gegenwärtigen Gesetzgebung zu einer Nivellierung des Konsumverhaltens bzw. der Bewertung dessen kommen könnte.

Obwohl die Theorie der Reaktanz sehr umfangreich ist und hier sicher noch viel weiter geführt werden kann (wie in sehr vielen anderen Bereichen auch), ist das Fazit vergleichsweise schlicht: Wenn die Musikindustrie nicht bald anfängt mit Kunden und Künstlern innovativ zusammen zu arbeiten, wird sie in absehbarer Zeit verschwunden sein. Es sind neue Methoden im anmarsch, die den Mittelsmann eliminieren werden, denn wer will schon den Typen im Anzug erhalten, der allen auf der Tasche liegt, aber eigentlich nichts produktives mehr leistet?

Ja, ich schweife wieder ab, aber es macht mich stinksauer, weil wir um so vieles weiter sein könnten, wenn diese Bleigewichte von Ewiggestrigen nicht wären.

Vielleicht schreibe ich demnächst mal was Strukturiertes, wenn ich die Ruhe und die Muse dazu habe. Argh.


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