Reden wir über Bildung…

14 09 2009

bildungyeahWarum Bildung eine große Rolle in der deutschen Politik spielt liegt auf der Hand. Vernor Muñoz, der UN-Bildungsbeauftragte kritisierte Deutschland schon 2006 wegen des bildungspolitischen Föderalismus. Bildung sei in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängig, vergleichbar zu wenig entwickelten Ländern (UN-Bericht). Die UNESCO merkte an, dass Deutschland 4 der 6 Ziele des EFA-Programms (Education For All) nicht erfülle. PISA und IGLU Studio gaben keine besseren Ergebnisse.

Mit ihrer, in das aktuelle Wahlprogramm integrierten Maßnahme „Aufstieg durch Bildung. Aufbruch in die Bildungspolitik“ proklamiert die CDU das stufenweise Nivellement der Chancengleichheit (Bildungschance) in Deutschland bis 2015.
Im ersten Kapitel des Programms rühmt man sich erst einmal mit der „massiven BAföG-Erhöhung„, gegen die sich die CDU Bildungsministerin Annette Schavan damals erst mit Händen und Füßen wehrte und hinter der die SPD als treibende Kraft stand, mit dem Hochschulpakt, dessen Gelder Frau Schavan im Löwenanteil lieber der Forschung zukommen lassen wollte, obwohl die Stütze eigentlich der Lehre angedacht war und trotz des wenige Wochen zuvor via Exzellenzinitiative bewilligten Zuschusses für die Forschung. Auch Hightech-Strategie und Pakt für Forschung haben mit der Bildungspolitik, die in Deutschland kritisiert wird wenig zu tun, ebenso der erwähnte Pakt für Deutschland, bei dem in der Tat zwar Gelder zur Sanierung einiger Schulen flossen, aber eigentlich zu erhalt von Arbeitsplätzen bei Handwerkern und Baufirmen. Die zusätzlich Beweihräucherung darum, was der Begriff Bildung also alles bedeutet, geht entsprechend nach hinten los.

Auch die Feststellung, dass dort wo Bildungs- und Wissenschaftsinfrastruktur ausgebaut und in Forschung investiert wurde, die meisten Erfolge erzielt wurden ist mehr eine hohnlächelnde Verdrehung der Kausalitätsstränge.
Als Signal für den Aufbruch in die Bildungsrepublik versteht die CDU den Bildungsgipfel 2008 in Dresden, der sich nach langem Aufwärmen als herbe Enttäuschung heraus stellte. Viele wichtige Themen wurden nicht diskutiert, einige waren ohnehin schon auf den Weg gebracht und am Ende blieb die Frage, wer selbst das bisschen Subvention bezahlen soll und die ewige Rangelei um die Länderhoheit bei Bildungsfragen, die 2006 erst mit der Föderalismusreform bestärkt wurde.

Bleibt die Frage wie die folgenden Jahre aussehen sollen. Den zu diesem Thema von der CDU entworfenen Aufsatz würde ein Lehrkörper wohl ohne zu zögern mit „Thema verfehlt“ signieren. Nach Chancengleichheit sucht man hier vergebens. „Die CDU bekennt sich zu einem begabungsgerechten, gegliederten Schulwesen“, heisst es da. Erläutert wird diese Aussage nicht weiter, aber der Begriff „begabungsgerecht“ spricht in Zusammenhang mit der CDU auch so Bände. Ferner will man den konfessionellen Religionsunterricht als Pflichtfach in allen Ländern, bei nicht-christlichen Religionen nur in deutscher Sprache unter in Deutschland ausgebildeten Lehrern und unter staatlicher Schulaufsicht. Was Religion mit Staat und Bildung zu tun hat oder zu tun haben soll ist mir leider vollkommen schleierhaft, diese gehört ganz klar in die ausserschulischen Aktivitäten und die persönlichen Lebensbereiche der Menschen, aber dazu ein ander mal.

Ihr mangelndes Verständnis von Kausalität und den Kernpunkten der Debatte stellt die CDU auch bei der Aussage, dass Armut mit Bildungsarmut beginne unter Beweis. Auch bei der Korrelation von Bildungschancen und sozioökonomischer Herkunft wird andersherum ein Schuh draus. Dementsprechend folgerte das Bildungsministerium: Es „entscheidet in keinem anderen Industriestaat die sozio-ökonomische Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland.“. Doch im weiteren liest man nichts weiter als „internationaler Vergleich“ und „Talentschmieden“, von „Bildung für alle“ keine Spur, Elitenförderung ist die Devise. Und mit dieser abgewandelten Erhard Rezitation wird klar wo die Bildungspolitik bei der CDU kongruent zur Beschäftigungspolitik hinläuft, nämlich in die berüchtigte Schere zwischen arm und reich, zwischen gebildet und ungebildet und die beiden bedingen einander nicht zu knapp. „The rich get richer ‚til the poor get educated„, wie wahr.

Es ist also nichts Neues von der CDU zu erwarten, man gibt sich herzlich unkonkret und schüttelt die obligatorischen symbolpolitischen Phrasen aus dem Ärmel. Der Schwerpunkt liegt bei der Forschungssubvention und Elitenförderung, natürlich immer im wirtschaftlichen Kontext. Von den maroden Strukturen des Schulsystems, dem Bildungsföderalismus, dem niedrigen inhaltlichen Niveau, Bildungsbenachteiligung und kulturellem Kapital lässt man die Finger.

Mit entsprechend gebildeter Bevölkerung würde die CDU andererseits wahrscheinlich auch ihre Existenzgrundlage aushöhlen.


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