PERMUTATIO EX CONTRARIO – IRONIE ALS BEFREIUNGSSCHLAG

24 09 2009

Ich hatte mich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäussert, diese Yeah-Flashmobs seien sinnentleert und reine Spaßaktionen. Heute war das Thema dann in der Tagesschau und da machte Christoph Bautz von Campact den Aktionen einen ähnlichen Vorwurf, ich stell einfach mal den Bericht hier rein:

In erster Linie hat mich geärgert, dass man von grüner Seite aus so gegen das Piratenmilieu ausschlägt, was ja kein Einzelfall ist (siehe Seeliger), obwohl es ja sinnvoller wäre, ob der kongruenten Zielsetzungen zusammen gegen CDU/FDP zu rudern. Ich will natürlich auch, dass ihr Piraten wählt, aber ich würde keinen piesacken der die Grünen wählt, solange er nicht schwarz/gelb seine Stimme gibt. Aber egal, mich ärgert auch, dass die Flashmobs so voller Unverständnis als rein störend und konzeptlos hingestellt werden. Ich habe gerade bei Nerdcore ein Comment dagelassen und kopier das der Faulheit halber eben mal rüber:

Was soll denn an Ironie so konzeptlos sein? Ironie ist schon seit Jahrtausenden ein wirkungsvolles linguistisches bzw. rethorisches Mittel. Der eigentliche Sinn hierbei ergibt sich erst aus dem Kontext. Spezielle Intention im vorliegenden Fall ist die Bloßstellung der Phrasendrescherei durch offensichtliche und übertriebene Simulation von Zustimmung. Hinzu kommt beim Flashmob der Effekt der dissimulatio artis, die ebenfalls seit der Antike als rhetorisches Mittel zur Verstärkung eines authentischen Eindrucks verwendet wird. Was ist also bitte konkreter daran Zettel hochzuhalten auf denen steht: “Schwarz/Gelb Hurra” (klapp auf) “Atomtod” und dazu Buhrufe säht. Bei allem Respekt vor den Aktionen von Campact und den Bemühungen von Christoph Bautz, und auch wenn ich mir wünschen würde, dass es nicht so ist, aber es interessiert bei CDU und FDP keine (tschuldigung) Sau. Ich glaube auch, dass viele diesen Flashmobs nur aus Spaß beiwohnen, aber letzten Endes verstärken sie die Stimmen des Kerns, der die Scheiße nicht mehr fressen will, der sich überhört fühlt, der es satt hat sich den Mund fusselig zu reden und dann doch nur übergangen, überhört und ignoriert zu werden, egal ob man kollektiv Buh ruft, Briefe schreibt, Petitionen unterzeichnet oder wohlstrukturierte Veranstaltungen und Projekte organisiert. Und jetzt hat man es nunmal in kurzer Zeit und mit kleinem Aufwand geschafft ein Presseecho zu erzeugen, auch wenn es nur begrenzt verstanden wird, aber das würde ja auch voraussetzen, dass man sich mal genauer mit dem Kontext befasst. Aber egal, Herr Bautz’ “professionelle Kampagnen” haben gerade dazu geführt, dass sein Projekt bei den Tagesthemen im Kontext dieser Aktion kurz erwähnt wird und dann noch falsch geschrieben.

In diesem Sinne
Yeaahh!

Für den Hinrichs und sein leeres Puppengesicht gibt es übrigens nicht mal ein Yeah, nur ein völlig unironisches: Mach bitte was anderes.“


Aktionen

Information

2 responses

24 09 2009
Dr. Borstel

„Blitzauflauf“ klingt wie ein Fertiggericht – ich bin ja kein übermäßiger Freund von Anglizismen, aber man muss auch nicht alles ins Deutsche übersetzen.

Mal davon abgesehen: Ich stimme absolut zu (also dir, nicht den Möchtegerns in der Tagesschau).

24 09 2009
matterofeffect

Hmmmmlegger Blitzauflauf! Haha, Zeit für ein neues Meme

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: