27 09 2009

wahl

Um 18:00 Uhr war es passiert: die ersten Prognosen rauschten durch die Medienlandschaft. Ich hatte zuvor noch mit einem Kollegen die Ergebnisse getippt und in Anbetracht der Tatsache, dass ich garnicht so weit ab vom Schuss war, hat mich doch die graphisch forcierte Realisierung des Umstands einer schwarz/gelben Regierung mehr aus der Bahn geworfen als vermutet. Ebenso wie der kleine graue „Andere“-Balken über dem 5,5% zu lesen war. Naja, eine reelle Chance, dass schwarz/gelb die absolute Mehrheit sprengt bestand ja immer noch und bei den Piraten war es für mich zur Hälfte Undurchsichtigkeit der Prognosen und zur anderen Hälfte beinharter Optimismus.

ergebnisse

Zumindest beim Wahlmonitor der Tagesschau wurde den Piraten ein eigener Balken zugestanden, aus welchen Motiven auch immer, es freut mich zu sehen. 1,9% ist dort zu lesen, bei 71% Wahlbeteiligung (neuester Tiefstand für die Bundesrepublik) bedeutet das knapp eine Millionen Stimmen. In vielen Großstädten, wie Berlin, Nürnberg, Tübingen und Braunschweig überkletterten sie sogar die 3%. Interessant ist vor allem, dass die Piraten anteilig 13% der männlichen Erstwähler für sich gewinnen konnten.

Am gravierensten war wohl noch der Absturz der SPD, mit dem letzten Endes zwar jeder gerechnet hatte, aber über 11%, das ist bitter. Der SPD selbst kann das nur gut tun. 4 Jahre in der Opposition zusammen mit den fast nur noch halb so stark vertretenen Grünen und 12% der Linken sollten ausreichen um das Profil der SPD wieder zu stärken, wollen wir’s zumindest hoffen. Wenn die Sozialdemokraten dann endlich damit aufhören flächendeckend Unionspolitik zu betreiben besteht eine Eventualität dass wir diese Legislaturperiode ohne Totalschaden überstehen. Für die SPD wird es wohl auch entscheident sein, denn als zweite Union untergraben sie ihre Existenzgrundlage.

Was schwarz/gelb für Deutschland bedeutet wurde ja schon seit Monaten ausgiebig geschildert und ist auch letztlich kein Geheimnis. Sozialabbau, Entlastung der Leistungsträger, Elitenförderung, Stärkung des Überwachungsstaates, das volle Programm. Aber das werden wir dann sehen, und zwar mit Argusaugen.

Begrüßenswert war der Trend hin zur Politisierung der Jugend und der Netzgemeinde. Ich hoffe der Trend setzt sich auch nach der Wahl fort, denn dieses investigative Potential des Internets und seiner Einwohner bekommt erst Gewicht, wenn genügend Stimmen da sind, die es unter die Leute bringen. Die Regierung hat es zwar übergangen, aber ignorieren konnte man die Kritik am Netzsperren Gesetz nicht und den ein oder anderen brachte es in Zugzwang. Das ist etwas auf dem wir jetzt aufbauen können. Schaut euren Abgeordneten auf die Finger, bleibt informiert und meldet euch zu Wort wo es irgend geht.

Für die Piratenpartei geht es im Mai nächsten Jahres weiter bei der Landtagswahl Nordrhein-Westfalen. Dort haben die Piraten schon Sitze in den Stadträten von Münster und Aachen, das Potential scheint also da zu sein. Auch die Aktion 10.000 läuft noch. 472 Mitglieder fehlen der Piratenpartei um die 10.000 Grenze zu erreichen, meldet euch an, helft mit.

Und ausserdem…

[UPDATE]

Hier eine Karte von bundeswahlleiter.de. Zu sehen ist die Wahlbeteiligung nach Wahlbezirken und ausserdem… Deutschland in alten Grenzen.

wahlbeteiligung


Aktionen

Information

5 responses

28 09 2009
tschill

Die Leute aus dem Anschlußgebiet fühlen sich wohl abgekoppelt und haben die Hoffnung aufgegeben. Ein Drittel wähnt sich nicht mehr im Parlament vertreten. So ganz falsch ist die Einschätzung dann auch wieder nicht.

28 09 2009
matterofeffect

Ich denke, dass hier vor allem die konjunkturellen Nichtwähler eine große Rolle gespielt haben, zumal im Osten die Wahlnorm und Parteienbindung bedeutend schwächer ausgeprägt ist. Dazu wird es in den nächsten Monaten wohl wieder einige repitative Studien geben, was alles nichts hilft, wenn die Leute eine gewisse politische Attonität verspüren. Und das ist selbstverständlich nicht ungerechtfertigt und ich kann es auch verstehen, sich Tod zu stellen bringt uns allerdings leider trotzdem nicht voran. Generell ist es mit Wählen nicht getan und auch ich fühle, dass ich mich mehr aktiv einmischen muss, anstatt ewig nur zu meckern, um zu einer Veränderung beizutragen. Oder um den werte Sage Francis zu zitieren:

„Who’s the one to blame for this strain in my vocal chords?
Who can pen a hateful threat but can’t hold a sword?
It’s the same who complain about the global war,
But can’t overthrow the local joker that they voted for.“

28 09 2009
solanacea

Da es die erste Bundestagswahl war, bei der mich Politik interessiert hat und ich aus vollem Herzen gewaehlt habe, bin ich gut perplex. 70% ist irgendwie total krass, mein Umfelt hat sowas anderes ausgestrahlt dass ich echt nicht damit gerechnet hab.
Naja. Schoener Kommentar, gute Vorarbeit, Daumen hoch und so.

Ps. Du bist doch auch bei StudiVZ: Der Kommentar links „Liebe NPD-Waehler: nicht vergessen, Montag ist Bundestagswahl!“ am Samstag war soo geil, oder?

28 09 2009
matterofeffect

Ich bin schon eine Weile nicht mehr im StudiVZ, aber es war auch bei Twitter hier und da zu lesen. Tatsächlich interessieren würde mich ob das gefruchtet hat, vorstellen könnte ich es mir ja.

28 09 2009
solanacea

Ich wage es leider zu bezweifeln aber die Vorstellung ist schoen😉.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: