Das Netzpolitik-Mantra

8 10 2009

Hallojulia. Marcel Weiss hat bei Netzwertig einen Artikel über den Unsatz des Jahres geschrieben:

“Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.” – Dieser von deutschen Politikern wie Verlegern oft wiederholte Satz ist nicht nur unsinnig. Er sagt auch viel über diejenigen aus, die ihn mantraartig wiederholen.
[…]
Deshalb wird das Neue als ‘rechtsfrei’ bezeichnet. Die Freiheiten werden dämonisiert. Es wird Anarchie suggeriert, wo auf die ehemaligen Monopolisten wie Verleger und Rechteverwerter lediglich trifft, was anderenorts usus ist: Der freie Markt. Wettbewerb. Konkurrenz.

Auch jetzt, als Labelmanager, Verleger und Politiker langsam begreifen, dass sie sich doch mit dem Internet näher befassen und vielleicht zähmen müssen, was sie, und nur sie, bedroht, haben die meisten von ihnen die Tiefe der Veränderungen noch nicht erfasst.

Unbedingte Leseempfehlung.

Link:

Netzwertig: „Das Internet darf kein Rechtsfreier Raum sein.“





Der Juni im Rückblick

2 07 2009

moe_june

Gerade rechtzeitig zu meiner wieder entdeckten Freizeit ist der Rückblick auf den letzten Monat wieder fällig.

moe_viewsZu aller erst möchte ich mich mal bei all meinen Besuchern hier bedanken. Seit dem Relaunch dieser abgespeckten Version von MoE im Februar sind die Statistiken sehr zu meiner angenehmen Überraschung in die Höhe gegangen und das ist natürlich der Motor meiner Motivation. Auch für das viele nette Feedback bin ich äusserst dankbar. Was ich mir noch wünschen würde, wären mehr Comments. Die Blog Statistiken allein helfen mir leider nur begrenzt herauszufinden was Anklang findet und was nicht, ausserdem würde das die Seite ungemein beleben. Also einfach mal her mit eurem Senf.

So, damit kommen wir zum wesentlichen.

„Ihr werdet euch noch wünschen wir wären politikverdrossen“

Selten war Netzpolitik wohl so populär und spannend wie in diesem Jahr. Nicht zuletzt daran zu beobachten, dass sich die Seite Netzpolitik.org an die Spitze der Blog-Rankings vor gearbeitet hat. Klar, es ist und war Wahlkampf und die unqualifizierten Aussagen und leeren Versprechungen seitens der großen Parteien häufen sich massiv. Im Gegenzug fühlt man sich auf der Gegenseite ignoriert und verprellt. Weder die erfolgreiche Petition, noch Expertenmeinungen, Demonstrationen oder Diskussionen haben irgendetwas gegen den geplanten Gesetzesentwurf der Zensursula ausrichten können. Ein klares Zeichen von CDU und SPD: Man schert sich nicht um nahezu eine ganze Generation von Leuten und deren Belange, ignoriert diese vollends. Man suhlt sich geradezu in seinem arroganten Hohn. Das ist der Seelenzustand der Zornigen, so Adorno, denen irgendwelche Trauben zu hoch hängen. Das ist eine geballte Inkompetenz, die sich da über die Jahre manifestiert hat, die Ewiggestrigen postulieren Freiheit und Sicherheit und suggerieren Angst vor Freiheit, die ausschließlich mit Überwachung und Zensur reglementiert werden kann und treten zur gleichen Zeit den Menschen in China und Iran ins Gesicht. Daher meine Anti-Wahlempfehlung: CDU/CSU/SPD. Es kann nicht sein, dass unser Bundestag voll von ignoranten Besswerwissern ist, deren einzige Qualifikation der Erhalt ihrer Position durch leeres Gefasel ist. Ich kann garnicht sagen wie sauer mich diese Menschen machen, deswegen muss ich jetzt auch mal umschwenken, sonst kommen A- und F-Worte.

Die besten musikalischen Großzügigkeiten

Wenigstens musikalisch wurde diesen Monat einiges an Kompetenz geboten.
So gab es z.B. den Housemix für Juni von DJ Stereoslave, der sich herrlich wie aus einem Guss durchhören lässt und in dem ganz zu meinem Entzücken Empire Of The Sun verarbeitet wurde. Auch der neue Pandamix (Teh Panda Is EVIL) aus der letzten Woche geht ordentlich nach vorne und hat’s mir dementsprechend angetan. Was Mixtapes angeht kam aber natürlich der absolute Wahnsinn mit der Veröffentlichung aller BBC Radio1 Essential Mixes von 1993 bis 2007 (895 Stück).

Meine Highlights im Bereich Alben waren die kostenlose Veröffentlichung des Shoeagazer-Debuts von A Place To Bury Strangers bei Bandcamp und der zauberhafte Postrock Release All The Memories, All At Once von Sunlight Ascending, der im übrigen keine Split ist, wie von mir irrtümlich behauptet. Ferner ist das Album jetzt auch in handgefertigter Version im Shop des Labels FutureRecordings erhältlich.

Das Ereignis, das in diesem Monat aber irgendwie alles überschattet hat, war der Tod von Michael Jackson, über den ich hier garnicht wieder viele Worte verlieren möchte, ausser die kleine Bemerkung, dass es mich schon irgendwie getroffen hat und ich mich verneige vor dem wohl größten Showman, Entertainer und Popmusiker unserer Zeit.

Zum Abschluss mein liebstes Musikvideo des Monats (und der Chartstürmer in meinen persönlichen Charts). Dinosaur Jr. mit Over It, für mich eine Hymne an die Coolness der 90er.





And Whatnot #20

27 06 2009

Mix:   DJ T.eRRa – Phonopaix | Das Kraftfuttermischwerk

Mix:   DJ D-Rush – The „The Corner“ Mix Pt.I | blog.rebellen

Evil GEMA | Generation Tapedeck

London’s Calling Tapes | Spreeblick

Billy Corgan Hits Back At The Haters | Pitchfork

Zensursula und die Zeit: Wahrheit oder Pflicht? | Netzpolitik

Zensursula-Einträge aus dem präsidialen Gästebuch von Horst Köhler gelöscht | Basic Thinking Blog

Gutachten zur Vorratsdatenspeicherung: lückenlose räumliche Überwachung | Metronaut

[via KFMW]




CDU-Wahlprogramm wird mal wieder exquisit

23 06 2009

Nach bisherigen Ausschnitten und Vorhersagen zum CDU-Wahlprogramm entwickelt sich das Ganze immer mehr zur Büchse der Pandora.
Natürlich soll es nicht (Big Fucking Surprise!) bei den Internetsperren für Seiten mit kinderpornographischem Inhalt bleiben. Das hatte ja Thomas Strobl schon in einem Interview durchblicken lassen, er berief sich in diesem Fall auf „Gewaltspiele“, obgleich diese in Deutschland ohnehin einer strengen Überprüfung unterliegen, entsprechende Altersfreigaben erhalten oder ggf. überhaupt nicht auf den Markt kommen. Der Besitz jedoch ist nicht strafbar und scheinbar will man entsprechende Informationsbeschaffung aus aller Herren Länder etwas einschränken. Absoluter klassischer CDU Wahlkampf Schwachsinn, betrachtet man die nicht vorhandenen Korrelationen zwischen Videospielen und deren angeblich negativen Auswirkungen, sowie die ohnehin strenge Reglementierung dieser in Deutschland.

Ferner sieht der Entwurf des Programms wohl auch eine Zugangssperre seitens der Internetanbieter bei Rechtsverletzungen vor, ganz nach dem Vorbild des Three Strikes Modells Frankreichs, das wiederum kürzlich vom Verfassungsgericht wegen Verstoß gegen das Grundrecht wieder abgeschossen wurde. Bei dem was da in den letzten Jahren wieder zusammen kam überrascht das natürlich nicht. In der Union wird der Grundrechtsverstoß mehr und mehr zum Kavaliersdelikt. Und wärend sich die Klagen wegen Verfassungswidrigkeiten noch gegen ältere Erlässe der großen Parteien häufen, haut man einfach munter weiter zensur- und überwachungsschwangere Modelle auf den Markt. Ein Kampf gegen Windmühlen ist das und wir werden regiert von Schildbürgern.

Ihr wisst was ihr zu tun habt:

Wählt um Himmels Willen nicht CDU/CSU!

Cheers

cdu